Die Strategie ist klar. Die Zahlen stimmen. Aber irgendetwas im Team bleibt stumm. Nicht greifbar. Nicht benennbar. Und doch spürbar.
Inspiriert zu diesem Newsletter hat uns eine Podcast-Folge der International Coach Federation Germany: „Systemische Aufstellungsarbeit im Arbeitskontext“ mit Prof. Dr. Kirsten Nazarkiewicz.
Es geht darin auch um die Energie des sozialen Feldes bei der Aufstellungsarbeit und welche großartigen Impulse dort entstehen, obwohl Repräsentanten das Hintergrundwissen um das Anliegen herum nicht haben. Es geht um Impulse, die nicht aus Analysen entstehen, sondern aus Wahrnehmung. Um Bilder, die nichts beweisen, aber etwas zeigen, das bislang nicht sprachfähig war. Immer mit einer klaren Haltung: Hier zeigt sich nicht die Wahrheit. Hier zeigt sich etwas, das auf einer anderen Ebene verstanden werden will.
Und genau das macht diese Arbeit für Organisationen heute so relevant. Verstehen auf der emotionalen Ebene wird wichtiger – nicht als Ersatz für Denken, sondern als zweite Erkenntnisspur. Als Zugang zu dem, was Teams längst wissen, aber nicht aussprechen.
Wenn ein internationaler Top-Coachingverband diesem Thema Raum gibt, ist klar: Systemische Aufstellungsarbeit ist im organisationalen Kontext angekommen.
Systemische Aufstellungsarbeit: Woher sie kommt – und warum sie wirkt
Systemische Aufstellungsarbeit ist keine neue Mode. Ihre Wurzeln liegen in systemtheoretischem Denken und der Beobachtung sozialer Dynamiken. Früh bekannt geworden im familiären Kontext, wurde sie seit den 1990er-Jahren gezielt für Organisationen weiterentwickelt – insbesondere dort, wo klassische Analyse an ihre Grenzen stößt.
Im Mittelpunkt stehen nicht Personen, sondern Systemlogiken: Zugehörigkeit. Rollen. Verantwortlichkeiten. Ungesagte Aufträge. Nicht getroffene Entscheidungen.
Pionierarbeit im deutschsprachigen Raum – etwa in der organisationsbezogenen Aufstellungsarbeit und später in konstruktivistisch geprägten Strukturaufstellungen – hat den Weg dafür bereitet, dass diese Methode heute professionell, reflektiert und kontextsensibel eingesetzt wird.
International etabliert – anders benannt
International wird oft anders gesprochen, aber erstaunlich ähnlich gearbeitet. Begriffe wie Organizational Constellations, System Mapping oder Social Field Work sind gängiger als „Aufstellungsarbeit“. Der Kern bleibt derselbe: das Arbeiten mit dem sozialen Feld und mit implizitem Wissen.
Auch Ansätze wie Theory U greifen vergleichbare Prinzipien auf – insbesondere in der Visions- und Zukunftsarbeit. Es geht darum, innezuhalten, wahrzunehmen und Zukunft nicht nur zu planen, sondern entstehen zu lassen.
Wo Aufstellungsarbeit heute eingesetzt wird
In Organisationen zeigt sich eine große Bandbreite – oft jenseits großer Gruppenformate:
- Im 1:1-Coaching, z. B. bei – Konfliktklärung – Performance Reviews – schwierigen Feedbackprozessen – Karriere- oder Rollenentscheidungen
- In der agilen Arbeit, wenn Teams über Prozesse sprechen, aber Dynamiken meinen
- In Entscheidungs- und Klärungssituationen, wenn Fakten vorliegen, aber keine innere Zustimmung entsteht
Nicht als Ersatz für Gespräch oder Analyse. Sondern als zusätzliche Perspektive.
Digitalisierung: leise, wirkungsvoll, alltagstauglich
Mit hybrider Zusammenarbeit gewinnen digitale Formate an Bedeutung. Online-Systembretter – insbesondere 3D-Systembretter – ermöglichen es, komplexe Zusammenhänge schnell sichtbar zu machen. Sie laden das Unbewusste ein, ohne es zu dramatisieren: über Abstand, Ausrichtung, Nähe, Leerräume.
Besonders hilfreich sind verdeckte Aufstellungen: Elemente werden zunächst neutral benannt, die inhaltliche Zuordnung erfolgt später. Das schafft Sicherheit, reduziert politische Effekte und erlaubt einen unverstellten Blick auf das System – gerade in verfahrenen Situationen.
Inner Work Impuls – bewusst minimalistisch
Wenn du keine Erfahrung mit Aufstellungsarbeit hast, reicht ein erster, klarer Schritt:
- Nimm ein konkretes Anliegen aus einem 1:1-Gespräch.
- Frage dich nicht: Wer ist schuld? Sondern: Was wirkt hier – jenseits dessen, was gesagt wird?
- Erlaube dir, das Thema einmal nicht nur zu erklären, sondern wahrzunehmen.
Mehr braucht es am Anfang nicht.
Call to Reflection
Wo versuchst du gerade, mit Worten zu lösen, was auf einer anderen Ebene verstanden werden will? Welche Dynamik wird gespürt – aber nicht adressiert? Und was würde sich verändern, wenn du ihr Raum gibst, ohne sie sofort einzuordnen?
Warum wir das teilen
Weil Führung dort steckenbleibt, wo nur noch besser erklärt wird, was längst nicht mehr erklärbar ist. Und weil es Mut braucht, über den Tellerrand zu schauen – besonders dann, wenn Situationen festgefahren sind.
Wenn dieses Thema resoniert, sprechen wir gerne über einen möglichen Einsatz: im 1:1, im Team, in internationalen Kontexten oder genau dort, wo Bewegung gerade schwerfällt.
Herzliche Grüße
Christina & Nadine
We un-stuck you. Change beginnt innen.


