BLOG #27: Warum gutes Leadership sich erst bei Gegenwind zeigt

BLOG #27: Warum gutes Leadership sich erst bei Gegenwind zeigt

Warum zeigt sich gute Führung erst in schwierigen Zeiten? Erfahren Sie, warum Unsicherheit emotionale Reaktionen auslöst, welche Muster Führungskräfte unter Druck entwickeln und weshalb Selbstführung die Grundlage wirksamer Leadership ist.

Liebe Leserinnen und Leser,

solange Rückenwind herrscht, wird Führung häufig überschätzt.

Die Zahlen stimmen. Die Prozesse laufen. Die Zusammenarbeit funktioniert. Entscheidungen wirken richtig. Erfolge lassen sich leicht der eigenen Führungsleistung zuschreiben.

Doch ob eine Führungskraft tatsächlich Orientierung geben, Vertrauen schaffen und Menschen durch Unsicherheit führen kann, zeigt sich meist erst dann, wenn gewohnte Sicherheiten wegfallen.

Und genau davon erleben viele Organisationen derzeit mehr als genug.

Wirtschaftlicher Druck, technologische Entwicklungen, internationale Konflikte, neue Geschäftsmodelle, steigende Komplexität – viele Mitarbeitende suchen Orientierung in einer Welt, die immer schwerer vorhersehbar erscheint.

In solchen Zeiten zeigt sich, wer lediglich verwaltet – und wer tatsächlich führt.

Die eigentliche Herausforderung ist nicht die Unsicherheit

Viele Führungskräfte gehen davon aus, dass bessere Informationen automatisch zu besseren Entscheidungen führen.

Im InnerWork Coaching Institute beobachten wir jedoch seit Jahren ein anderes Muster.

Die meisten Entscheidungen scheitern nicht am fehlenden Wissen.

Sie scheitern an den emotionalen Reaktionen, die Unsicherheit auslöst.

Angst vor Fehlern.
Angst vor Kritik.
Angst vor Kontrollverlust.
Angst, Mitarbeitende zu enttäuschen.

Je größer die Unsicherheit wird, desto stärker werden diese inneren Reaktionen.

Genau hier beginnt Selbstführung.

Denn Unsicherheit trifft nie auf einen leeren Raum. Sie trifft auf Persönlichkeit, Erfahrungen, Glaubenssätze, Antreiber und individuelle Bewältigungsstrategien.

Der eine beginnt plötzlich, alles kontrollieren zu wollen.

Der nächste analysiert endlos und verschiebt Entscheidungen.

Eine andere Führungskraft verfällt in hektischen Aktionismus.

Wieder andere ziehen sich zurück und hoffen, dass sich die Situation von selbst löst.

Die Situation ist dieselbe.

Die Reaktion darauf nicht.

Warum Menschen unterschiedlich auf Unsicherheit reagieren

Menschen gehen unterschiedlich mit Unsicherheit um.

Ein hohes Sicherheitsbedürfnis führt häufig zu dem Wunsch nach Stabilität und Vorhersagbarkeit.

Eine starke Leistungsorientierung kann dazu führen, Fehler unbedingt vermeiden zu wollen.

Hohe Empathie richtet den Blick besonders stark auf die Auswirkungen eigener Entscheidungen auf andere.

Hohe Offenheit ermöglicht es, Chancen in Veränderung oft früher zu erkennen.

Keine dieser Ausprägungen ist besser oder schlechter.

Entscheidend ist, ob wir unsere Muster kennen.

Denn wer seine eigenen Reaktionsmuster nicht versteht, wird in Krisenzeiten häufig von ihnen gesteuert.

Wer sie kennt, kann bewusster entscheiden, wie er oder sie handeln möchte.

Deshalb beginnt wirksame Führung immer mit Selbstreflexion.

Die drei größten Hoffnungskiller in Organisationen

In Restrukturierungen, Kulturwandelprozessen und Phasen hoher Unsicherheit begegnen uns immer wieder drei Muster, die Hoffnung und Veränderungsbereitschaft untergraben.

Arroganz

„Wir wissen schon, wie es geht.“

Neue Signale werden ignoriert. Warnhinweise nicht ernst genommen. Lernen findet kaum noch statt.

Ignoranz

Probleme werden verdrängt oder kleingeredet.

Die Hoffnung lautet: „Das wird schon wieder.“

Doch Hoffnung ohne Handeln ist keine Strategie.

Intoleranz

Fehler werden sanktioniert. Experimente verhindert. Kritik unerwünscht.

Menschen beginnen zu schweigen.

Innovation entsteht jedoch selten dort, wo Angst herrscht.

Diese drei Muster wirken wie ein Brandbeschleuniger für Unsicherheit. Sie zerstören Vertrauen. Und Vertrauen ist eine der wichtigsten Währungen in Zeiten des Wandels.

Was gute LeaderInnen anders machen

Viele Menschen verwechseln Hoffnung mit Optimismus.

Doch Hoffnung bedeutet nicht, daran zu glauben, dass alles gut wird.

Hoffnung bedeutet, darauf zu vertrauen, dass wir einen Weg finden werden – auch wenn wir ihn heute noch nicht kennen.

Führungskräfte, die Hoffnung vermitteln, zeichnen sich selten durch große Reden aus.

Sie schaffen Orientierung.

Sie benennen die Realität, ohne sie zu dramatisieren.

Sie konzentrieren sich auf ihren Einflussbereich, statt ihre Energie in Dinge zu investieren, die sie nicht verändern können.

Sie stärken die Selbstwirksamkeit ihrer Teams.

Und sie schaffen Räume, in denen Menschen Unsicherheit ansprechen dürfen, ohne dafür bewertet zu werden.

Nicht weil sie alle Antworten kennen.

Sondern weil sie gelernt haben, mit dem Nichtwissen umzugehen.

Der InnerWork-Impuls des Monats

Denken Sie an eine Situation, in der Sie aktuell Gegenwind erleben.

Vielleicht eine wichtige Entscheidung. Eine Veränderung im Unternehmen. Eine Unsicherheit, die Sie schon länger beschäftigt.

Fragen Sie sich:

Was genau macht mich daran unsicher?

Welche Konsequenz möchte ich unbedingt vermeiden?

Was liegt außerhalb meines Einflussbereichs?

Worauf habe ich tatsächlich Einfluss?

Welches Signal sende ich gerade an mein Umfeld – Orientierung oder Verunsicherung?

Die Antworten auf diese Fragen sagen oft mehr über die Situation aus als jede weitere Analyse.

Zum Abschluss

In Zeiten des Rückenwinds kann fast jede Führungskraft erfolgreich wirken.

Erst Gegenwind zeigt, wie stabil die eigene Haltung wirklich ist.

Im InnerWork Coaching Institute sind wir überzeugt:

Führung beginnt nicht mit Methoden.

Führung beginnt nicht mit Tools.

Führung beginnt mit der Fähigkeit, sich selbst zu führen, wenn andere Orientierung suchen.

Deshalb beginnt nachhaltige Veränderung nicht im Markt.

Nicht im nächsten Strategiepapier.

Sondern in uns selbst.

Herzliche Grüße
Christina & Nadine

We un-stuck you. Change beginnt innen.

P.S.: In den kommenden Wochen werden wir ein neues Entwicklungsprogramm vorstellen. Für Menschen, die Führung nicht nur als Methode verstehen möchten, sondern als Fähigkeit, mit Unsicherheit, Emotionen und Veränderung umzugehen.

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